Christoph Plett: Klassenassistenz-Modell an der Eichendorffschule ist bis zum Sommer 2023 verlängert

Mai 25, 2022

Klassenassistenz-Modell an der Peiner Eichendorffschule wird vorerst bis zum Sommer 2023 verlängert. Bis zum anstehenden Herbst müssen unbedingt die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation vorliegen, um fundiert über die langfristige Zukunft des Klassenassistenz-Modells entscheiden zu können.

An der Peiner Eichendorffschule ist vor sechs Jahren ein ganz besonderes Projekt gestartet. Beim „Klassenassistenzmodell an der Eichendorffschule“ geht es darum, die Inklusion von Grundschulkindern auf andere Art und Weise zu gestalten: bekanntermaßen haben alle Kinder mit Förderbedarf im Rahmen der Inklusion einen Rechtsanspruch auf eine individuelle Schulbegleitung für ihren Schulbesuch an der Regelschule – so wäre es auch beim Besuch an der Eichendorffschule, die eine reguläre Grundschule ist.

Beim Klassenassistenzmodell wird an der Eichendorffschule aber auf die herkömmlichen Schulbegleiter weitestgehend verzichtet, stattdessen gibt es dort seit 2016 in den meisten Klassen eine Klassenassistenzkraft, die sich um die ganze Klasse kümmert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Klassenassistenzkraft kann und darf die ganze Klasse im Blick behalten und sich um alle Schülerinnen und Schüler der Klasse kümmern, auch um diejenigen ohne Förderbedarf, die schließlich auch in gewissen Situationen Unterstützung gebrauchen können. Eine klassische Schulbegleitung dürfte das nicht. Besonders wichtig ist aus meiner Sicht auch, dass bei einer Klassenassistenz für die ganze Klasse das Problem einer möglichen Stigmatisierung einzelner Kinder entfällt. Sitzt den ganzen Tag eine erwachsene Person immer fest neben ihrem ‚Problemkind‘, ist dieses dadurch schnell als ‚Sonderling‘ gekennzeichnet. Bei einer Person, die sich um die ganze Klasse kümmert, entfällt dieses Problem. Darüber hinaus entfällt auch das gesamte Beantragungsverfahren für die individuellen Schulbegleiter.

An der Eichendorffschule ist das Projekt im Sommer 2016 gestartet und sollte ursprünglich bis 2020 laufen, ist dann noch einmal um zwei weitere Jahre bis zum Sommer 2022 verlängert worden. Die Rückmeldungen von den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern und den Eltern sind durchweg positiv bis begeistert.

Bei Start des Projekts und auch bei der Verlängerung vor zwei Jahren ist auch beschlossen worden, dass parallel eine wissenschaftliche Evaluation über das Projekt und dessen Ergebnisse durchgeführt wird, auf deren Basis dann über eine mögliche Fortführung des Projekts und deren Art und Weise sowie auch über eine mögliche Ausweitung auf andere Grundschulen entschieden werden sollte. Das Problem: diese Evaluation liegt bis heute nicht vor.

Ohne die Ergebnisse der Evaluation ist aus meiner Sicht und aus Sicht der CDU/FDP-Gruppe Kreistag Peine allerdings keine fundierte Entscheidung über die Zukunft der Klassenassistenz möglich. Und nach bisheriger Beschlusslage sollte das Projekt ja im kommenden Sommer einfach auslaufen. In den vergangenen Wochen und Monaten hat es daraufhin einen massiven Einsatz von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gegeben, das Projekt fortzuführen und auch andere Schulen von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren zu lassen, das Projekt aber zumindest nicht einfach in diesem Sommer abrupt enden zu lassen.

Im zuständigen Jugendhilfeausschuss des Kreistages Peine haben wir daher einstimmig die Empfehlung an den Kreistag gegeben, das Projekt vorerst bis zum Sommer 2023 zu verlängern und gleichzeitig gegenüber der Kreisverwaltung dringend darauf gedrungen, bis zum anstehenden Herbst belastbare Ergebnisse der Evaluation zu bekommen, um diese politisch mit ausreichend Zeit bewerten und vor dem Sommer 2023 über die langfristige Zukunft des Klassenassistenzmodells entscheiden zu können.