Vor dem Hintergrund der jüngsten antisemitischen Vorfälle in einigen deutschen Städten

Sep 02, 2021

Pressegespräch mit Frau Renate Wagner-Redding, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Braunschweig.

Vor dem Hintergrund der jüngsten antisemitischen
Vorfälle in verschiedenen Städten Deutschlands,
habe ich mich zu einem Pressegespräch mit der
Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Braunschweig, Frau Renate Wagner-Redding, getroffen,
um mir ihre Sicht der Dinge anzuhören und darüber
zu sprechen, wie die Erinnerungskultur wach gehalten werden kann.


Hintergrund der jüngsten antisemitischen Vorfälle
war die vor wenigen Wochen aufflammende Gewalt
in Nahost. Für mich ist an dieser Stelle ganz klar,
dass Kritik an Israel und der israelischen Politik natürlich immer
erlaubt sein muss. Dabei muss es aber immer um sachliche
Kritik an der Politik eines Staates gehen, nicht um ein Volk oder eine Religion.
Wenn diese Kritik gar in Hass und Gewalt umschlägt
und die in Deutschland lebenden Juden für Dinge
verantwortlich gemacht werden, mit denen sie nichts
zu tun haben, ist eine ganz klare Grenze überschritten.
Hier müssen wir dem Freiheitsgedanken unseres Grundgesetzes ganz deutlich Geltung verschaffen.

Frau Wagner-Redding erzählte mir in unserem Gespräch auch, dass sich der Antisemitismus aus ihrer
Sicht mittlerweile mehr durch alle Gesellschaftsschichten verbreite, als das vielleicht früher noch der
Fall gewesen sei. Gerade aufgrund solcher Einschätzungen finde ich es umso wichtiger, die Erinnerungskultur lebendig zu halten und jüdische Geschichte erlebbar zu machen, schließlich hatte auch
Peine bis 1933 eine jüdische Gemeinde.


In Braunschweig gibt es beispielsweise bereits eine
Sally-Perel-Schule, die sich dem Leben dieses besonderen Bürgers unserer Region verschrieben hat.
Als Geburtsstadt von Sally-Perel würde auch Peine
eine solche Schule gut zu Gesicht stehen. So etwas
darf allerdings nicht einfach übergestülpt werden.
Ich würde es schön finden, wenn so ein Projekt,
etwa aus einem Geschichtskurs heraus, wachsen
könnte und eine Schule sich mehr und mehr dem
Thema zuwenden und vielleicht eines Tages zur Sally-Perel-Schule in Peine werden würde.


Unter dem Strich bleibt einfach, dass wir alles tun
müssen, um die Erinnerung an die jüdische
Geschichte in unserer Region wach zu halten und
dem Antisemitismus keinen Millimeter weit Raum zu
geben. Das war schon immer ein wesentlicher
Grund, weshalb ich mich politisch engagiere.